Nachgefragt bei
Phaeosynt

„Wir sind nur so gut wie unsere Partner“

Das Hannoveraner Startup Phaeosynt will mit veganen Antikörpern für medizinische Anwendungen einen neuen Standard in der Diagnostik etablieren. Der erste vegane Schwangerschaftstest hey mela ist bereits auf dem Markt. Mit dem Förderprogramm NSeed der NBank setzt Phaeosynt gezielt auf Wachstum und die Entwicklung weiterer Innovationen. Ein Gespräch über Kieselalgen, Cashflow und die Kraft guter Netzwerke.

Antikörper werden mit Hilfe von Kieselalgen hergestellt.
Stephanie Pfeil-Coenen

Ihr habt 2023 zu dritt Phaeosynt gegründet, um vegane Antikörper herzustellen. Die meisten Menschen wissen sicher gar nicht, dass Antikörper nicht vegan sind – und dass dadurch auch Corona- oder Schwangerschaftstests nicht vegan sind. Wie kommt das?

Stephanie Pfeil-Coenen: Alle medizinischen Schnelltests, die Teststreifen nutzen, arbeiten mit Antikörpern. Diese Antikörper produzieren die Hersteller in der Regel in lebenden Tieren wie Mäusen, Kaninchen und Ziegen, oder in Zellkulturen, die auf tierischen Bestandteilen basieren. Genaue Zahlen existieren nicht, aber diese Methoden verursachen weltweit erhebliches Tierleid.

Wie produziert ihr Antikörper ohne Tiere?

Pfeil-Coenen: Wir nutzen Kieselalgen, die jeder als braunen, schmierigen Belag auf Steinen, Muscheln und Pflanzen im Aquarium oder im Watt kennt. Wir bringen den genetischen Bauplan eines spezifischen Antikörpers in die Alge ein – programmieren sie also so um, dass sie bestimmte Antikörper produziert. Dann vermehrt sich die Alge durch Zellteilung in unseren Glaskolben. Dazu braucht sie nur Salzwasser, Licht und CO2. Nach 3 Wochen können wir die Algen ernten und die Antikörper extrahieren.

Welche Vorteile bringen Kieselalgen noch mit?

„Kieselalgen lassen sich kostengünstig, schnell, auf wenig Raum und in großen Mengen kultivieren. Wir stecken aktuell mitten in der Skalierung und wollen den Produktionszyklus von 3 Wochen auf rund 8 Tage verkürzen.“

Pfeil-Coenen: Kieselalgen lassen sich kostengünstig, schnell, auf wenig Raum und in großen Mengen kultivieren. Wir stecken aktuell mitten in der Skalierung und wollen den Produktionszyklus von 3 Wochen auf rund 8 Tage verkürzen.

Das klingt vielversprechend. Warum hat sich das nicht schon längst durchgesetzt?

Pfeil-Coenen: Tierbasierte Verfahren sind etabliert und liefern hohe Mengen an Antikörpern. Diese Ausbeute mit Pflanzen zu erreichen, erfordert zahlreiche Versuche und kostet viel Zeit. Das ist nur mit breiter Unterstützung durch Investoren möglich. Wir haben es geschafft und produzieren bis zu 200 Milligramm Antikörper pro Liter Kieselalgenkultur. Damit kommen wir an die tierische Ausbeute heran.

Der erste Schwangerschaftstest, der komplett vegan ist.

Mit hey mela habt ihr im September 2025 den nach euren Angaben weltweit ersten veganen Schwangerschaftstest auf den Markt gebracht. Wie kam es dazu?

Pfeil-Coenen: Nur weil wir ein tolles System haben, heißt das nicht, dass wir sofort Abnehmer finden. Die meisten Unternehmen arbeiten jahrelang mit bestimmten Antikörperlieferanten zusammen. Ein Wechsel bedeutet neue Tests und Umstellungen. Wir haben uns gefragt: Wie schaffen wir Cashflow, bis wir etabliert sind? Der Schwangerschaftstest, den wir gemeinsam mit einem Partnerunternehmen herstellen, sorgt für Umsatz und zeigt zugleich, dass unsere Technologie marktfähig ist. Wie könnten wir das besser beweisen als mit einem zugelassenen Medizinprodukt? Auch unser Produktpatent befindet sich in der finalen Phase. Es umfasst alle Schnelltests, die auf Kieselalgen oder anderen Pflanzen beruhen.

Im ersten Quartal 2025 habt ihr eine Seed-Finanzierung von knapp 1,7 Millionen Euro abgeschlossen. NBank Capital beteiligte sich mit 400.000 Euro. Was bedeutet das für euch?

Pfeil-Coenen: Das Geld hilft uns, schnell voranzukommen. Ebenso wertvoll ist aber auch das Netzwerk und das Know-how unserer Investoren. Wir sind nur so gut wie unsere Partner. Vieles, womit ich mich heute beschäftige, habe ich nicht an der Uni gelernt – da hilft mir die Unterstützung unserer Investoren wie der NBank ungemein. Meine Ansprechpartnerin dort hilft mir entweder direkt weiter oder sie weiß, an wen ich mich wenden kann. Dieses Netzwerk ist Gold wert. Ich glaube fest daran, dass alles möglich ist, wenn alle Beteiligten motiviert sind und an einem Strang ziehen.

Wie fühlt es sich an, mit Investorengeldern zu arbeiten?

Pfeil-Coenen: Wir kommen nicht aus reichen Elternhäusern und Forschungsgelder sind begrenzt – dementsprechend mussten wir von Anfang an Investorengelder einsammeln. Als das Geld aus der ersten Finanzierungsrunde auf unserem Konto lag, hatten wir großen Respekt. Man fühlt die Verantwortung und möchte alles richtig machen. Und ich denke, das gelingt uns gut.

Was sind eure nächsten Schritte?

Pfeil-Coenen: Wir sind mit unserem Schwangerschaftstest bei Amazon und DocMorris gelistet. Man findet unser Produkt bei Rossmann und DM. Aktuell bereiten wir den Vertrieb ins Ausland vor. 2026 steht die Expansion in Europa im Fokus, 2027 soll der US-Markt folgen. Parallel entwickeln wir mit Menopausen- und Ovulationstests die nächsten Femtech-Produkte und das B2B-Geschäft läuft an.

MÖGLICH GEMACHT MIT
NBANK CAPITAL

Isabel Sievers

Expertin für Beteiligungskapital bei NBank Capital
Seit 2023 Möglichmacherin bei der NBank

„Startups wie Phaeosynt investieren am Anfang viel in Forschung und Produktentwicklung – bis die ersten Umsätze kommen, braucht es Zeit. Beteiligungskapital gibt hier den nötigen Rückenwind und hält das Team handlungsfähig. Unser Investment in Phaeosynt unterstreicht unseren Anspruch, zukunftsweisende Technologien mit neuen ökologischen und ethischen Standards zu fördern. Das patentierte Verfahren mit pflanzlichen Antikörpern revolutioniert den Schwangerschaftstest und hat großes Potenzial, weitere Verfahren tierversuchsfrei zu transformieren. So trägt das Startup wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung in der Gesundheitsbranche bei.“

Die Investition
auf einen Blick

Was verändert Phaeosynt?

Das im Jahr 2023 in Hannover gegründete Unternehmen entwickelt tierfreie Antikörper aus Kieselalgen für den B2B – Markt und vertreibt vegane Diagnostikprodukte im Handel.

Im Frühjahr 2025 hat Phaeosynt eine Seed-Kapitalerhöhung über knapp 1,7 Millionen abgeschlossen, um den Markteintritt seines veganen Schwangerschaftstests hey mela voran zu treiben und neue Produkte zu entwickeln.

NBank Capital beteiligte sich an der Kapitalerhöhung im Rahmen des Förderprogramms NSeed mit 400.000 Euro.

Phaeosynt bringt Biotechnologie, Nachhaltigkeit und Innovation zusammen und trägt so zur Zukunftsfähigkeit der Gesundheitswirtschaft in Niedersachsen bei.

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